Bewerbung für eine Lehrstelle schreiben: Wie gelingt sie in der Schweiz?

Veröffentlicht: 29. September 20269 Min. LesezeitFachlich geprüft von der Bewerbomat-Redaktion

Gezeichnete Bewerbungsmappe mit farbigen Registern, daneben ein Schutzhelm, ein Kuvert mit zwei Häkchen und eine Schweizer Fahne vor Bergen
Bewerbungsmappe, Helm, Kuvert: die Bewerbung für die erste Lehrstelle.

Eine Bewerbung für eine Lehrstelle besteht in der Schweiz aus Bewerbungsbrief, Lebenslauf und Beilagen wie Schulzeugnissen, Schnupperlehrberichten und oft einem Eignungstest. Für jeden Beruf und Lehrbetrieb schreibst du einen eigenen Brief. Starte zu Beginn der 9. Klasse: Bis im Frühling sind laut SBFI bereits 68 Prozent der Lehrstellen vergeben.

Die Bewerbung für eine Lehrstelle ist für die meisten Jugendlichen in der Schweiz die erste richtige Bewerbung. Laut dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ziehen 63 Prozent der Jugendlichen eine Berufslehre in Betracht. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie du die Bewerbung für eine Lehrstelle schreibst, was ins Dossier gehört und wann du dran sein musst.

Was gehört in die Bewerbung für eine Lehrstelle?

Zu einer vollständigen Lehrstellenbewerbung gehören drei Teile: der Bewerbungsbrief, der Lebenslauf und die Beilagen. Beilagen sind vor allem die Zeugnisse der Oberstufe, Berichte von Schnupperlehren und Resultate von Eignungstests wie Multicheck oder Basic-Check. Alles speicherst du als PDF, weil die meisten Betriebe online Bewerbungen annehmen.

Das Portal berufsberatung.ch, betrieben vom Schweizerischen Dienstleistungszentrum Berufsbildung (SDBB), schreibt: «Vollständige Bewerbungsunterlagen umfassen folgende Dokumente:» und nennt Bewerbungsbrief, Lebenslauf und Beilagen. Es empfiehlt, für jede Lehrstelle einen eigenen Ordner mit Unterordnern anzulegen: Bewerbungsbrief, Lebenslauf, Schulzeugnisse, Schnupperlehrberichte, Tests und weitere Dokumente. Und kurz: «Speichere deine Dokumente als PDFs.»

Das Berufswahl-Portal des Kantons Zürich nennt für das Dossier zusätzlich «Kopien aller Oberstufen-Zeugnisse und eventuell Resultate von Eignungstests». Manche Betriebe wollen auch ein kurzes Bewerbungsvideo. Dafür gibt berufsberatung.ch eine klare Grenze an: «Dein Video sollte nicht länger als eineinhalb Minuten dauern.»

Wie ist der Bewerbungsbrief für eine Lehrstelle aufgebaut?

Der Bewerbungsbrief für eine Lehrstelle hat laut berufsberatung.ch elf Teile, von deiner Adresse bis zu den Beilagen. Der wichtigste Teil ist die Mitte: warum dich genau dieser Beruf interessiert, was du gut kannst und warum du in genau diesen Lehrbetrieb willst. Eine Vorlage, die du für alle Betriebe gleich verschickst, merkt man sofort.

Die elf Teile in der Reihenfolge von berufsberatung.ch:

  1. Deine Adresse mit Telefonnummer und E-Mail
  2. Adresse des Lehrbetriebs mit Kontaktperson
  3. Ort und Datum
  4. Betreff
  5. Anrede, wenn möglich mit Namen
  6. Einleitung
  7. Motivation und Stärken
  8. Warum dieser Lehrbetrieb
  9. Schlusssatz
  10. Grussformel und Unterschrift
  11. Beilagen

Für den Betreff gibt berufsberatung.ch eine Formulierung vor: «Bewerbung um die Lehrstelle als … (Berufsbezeichnung einfügen wie im Lehrstelleninserat)». Die wichtigste Regel steht gleich dabei: «Schreibe für jeden Beruf und Lehrbetrieb einen individuellen Brief.» Und: «Lasse den Lehrbetrieb spüren, dass du das Lehrstelleninserat gut gelesen hast.»

Ein Beispiel für den Motivationsteil: Statt «Ich bin motiviert und teamfähig» schreibst du, was du erlebt hast. «In der Schnupperlehre bei Ihnen durfte ich einen Lichtschalter montieren. Dass am Schluss das Licht anging, hat mir gezeigt, dass ich Elektroinstallateur werden will.» Ein konkreter Moment sagt mehr als zehn Eigenschaften.

Wann musst du dich für eine Lehrstelle bewerben?

Die Lehrstellensuche beginnt in den meisten Kantonen zu Beginn der 9. Klasse, also rund ein Jahr vor dem Lehrbeginn im August. Dann werden die Lehrstellen für das nächste Jahr aufgeschaltet. Wer bis im Frühling wartet, hat deutlich weniger Auswahl: Im März und April waren laut SBFI 2026 bereits über 50 000 Lehrstellen besetzt.

Das Berufswahl-Portal des Kantons Zürich schreibt: «Am Anfang des Schuljahres wird immer der Lehrstellennachweis (LENA) im Internet aufgeschaltet.» Und rät: «Plane also genügend Zeit ein und starte frühzeitig, am besten beim Beginn der 3. Oberstufe.» Die 3. Oberstufe entspricht der 9. Klasse.

Drei Stationen auf einem gestrichelten Weg: ein Hammer für die Schnupperlehre, ein Klemmbrett mit Häkchen für den Eignungstest, ein Kuvert mit zwei Häkchen für die Bewerbung
Schnuppern, testen, bewerben: die drei Stationen der Lehrstellensuche.
ZeitpunktWas passiertQuelle
8. KlasseBerufe kennenlernen, erste Schnupperlehren (1 bis 5 Tage)BIZ Kanton Bern
Beginn 9. Klasse (August)Lehrstellennachweis LENA wird aufgeschaltet, Suche startenKanton Zürich
Herbst und Winter der 9. KlasseEignungstest, Selektions-Schnupperlehren, Bewerbungen verschickenberufsberatung.ch, BIZ Kanton Bern
Februar bis April68 Prozent der rund 74 000 Lehrstellen sind vergebenSBFI, Nahtstellenbarometer 2026
Ende MaiÜber 54 500 Lehrverträge abgeschlossen, rund 14 000 Lehrstellen noch offenWBF, Juni 2026
AugustLehrbeginn–

Auch nach dem Frühling lohnt sich die Suche noch: Ende Mai 2026 waren laut dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) «auf Lehrstellen-Nachweis LENA rund 14'000 offene Lehrstellen für den Lehrstart 2026 ausgeschrieben».

Warum ist die Schnupperlehre so wichtig für die Bewerbung?

Die Schnupperlehre ist oft der wichtigste Teil deiner Bewerbung. In einer Selektions-Schnupperlehre arbeitest du ein bis fünf Tage im Betrieb mit, und der Betrieb entscheidet danach, ob er dir die Lehrstelle anbietet. Ein guter Schnuppereindruck wiegt oft mehr als eine Note im Zeugnis.

Das Berufsinformationszentrum (BIZ) des Kantons Bern unterscheidet zwei Arten. Die Orientierungs-Schnupperlehre hilft dir bei der Berufswahl. Die Selektions-Schnupperlehre beschreibt das BIZ so: «Du schnupperst 1 bis 5 Tage in einem Betrieb mit dem Ziel, eine Lehrstelle zu bekommen.» Und: «Diese Schnupperlehre ist also Teil deiner Bewerbung um einen Ausbildungsplatz.»

Im Bewerbungsbrief greifst du die Schnupperlehre auf. berufsberatung.ch rät: «Hast du eine Schnupperlehre gemacht? Dann beschreibe kurz, was du dort machen durftest und/oder was dir besonders gefallen hat.» Schnupperplätze findest du zum Beispiel auf Yousty: Am 29. September 2026 zeigte die Seite 21 993 Schnupperlehren und 27 584 offene Lehrstellen für den Lehrbeginn 2027 und 2028.

Multicheck oder Basic-Check: Welcher Eignungstest, und was kostet er?

Viele Lehrbetriebe verlangen mit der Bewerbung das Resultat eines Eignungstests. Die zwei bekanntesten sind der Multicheck und der Basic-Check, beide vom Anbieter gateway.one. Der Multicheck kostet je nach Berufsfeld CHF 60 bis CHF 100, der Basic-Check CHF 100. Beide darfst du einmal wiederholen.

Der Multicheck ist laut Anbieter «ein Test am Computer, den du in einem unserer über 35 Multicheck®-Testcenter machst». Es gibt ihn in acht Varianten, zugeschnitten auf verschiedene Berufsfelder. Der Basic-Check ist «die berufsneutrale Eignungsabklärung» und vergleicht dich mit den Anforderungen der Berufe mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ).

TestFür welche BerufeDauerPreis
Multicheck AttestLehren mit eidgenössischem Berufsattest (EBA)ca. 1,5 StundenCHF 60
Multicheck Detailhandel und ServiceDetailhandel, Serviceca. 2,5 StundenCHF 85
Multicheck Wirtschaft und Administration, ICT, Gesundheit und Soziales, u. a.Kaufmännische, technische, soziale Berufeca. 3,5 StundenCHF 100
Basic-CheckBerufsneutral, Berufe mit EFZca. 2,5 bis 3,5 StundenCHF 100

Welcher Test gilt, entscheidet der Lehrbetrieb: Schau im Lehrstelleninserat nach. Das Berufswahl-Portal des Kantons Zürich kennzeichnet Stellen mit dem Hinweis «Multicheck» = Test wird bei der Bewerbung zwingend verlangt. Wichtig für 2026: Laut gateway.one wird der Multicheck Gewerbe auf die Testperiode 2026/2027 eingestellt und durch den Basic-Check ersetzt. Die Resultate kommen beim Multicheck nach zwei bis drei Tagen.

In 6 Schritten zur Bewerbung für die Lehrstelle

So gehst du vor, von der ersten Suche bis zum verschickten Dossier.

  1. Beruf festlegen: Schnupperlehren machen und mit der Berufsberatung deines Kantons klären, welcher Beruf passt.
  2. Lehrstellen suchen: Offene Stellen auf dem Lehrstellennachweis LENA (berufsberatung.ch) und auf Yousty suchen, am besten ab Beginn der 9. Klasse.
  3. Eignungstest machen: Im Inserat nachsehen, ob Multicheck oder Basic-Check verlangt wird, und den Test früh buchen.
  4. Dossier vorbereiten: Lebenslauf, alle Oberstufen-Zeugnisse, Schnupperlehrberichte und Testresultat als PDF in einen Ordner pro Lehrstelle legen.
  5. Brief schreiben: Für jeden Lehrbetrieb einen eigenen Bewerbungsbrief in den elf Teilen schreiben und von jemandem gegenlesen lassen.
  6. Verschicken und nachfassen: Online-Formular, E-Mail oder Post, so wie es der Betrieb verlangt. Notiere dir, wann du wo beworben hast.

Welche Fehler solltest du bei der Lehrstellenbewerbung vermeiden?

Die häufigsten Fehler sind ein Brief, der für alle Betriebe gleich ist, fehlende Beilagen und Rechtschreibfehler. Lehrbetriebe bekommen viele Bewerbungen und sortieren schnell aus. Ein Brief, der den Namen des Betriebs falsch schreibt oder den Beruf aus einem anderen Inserat nennt, landet meist direkt auf dem Absage-Stapel.

  • Kopierter Brief: Wenn im Brief noch der Name eines anderen Betriebs steht, ist die Bewerbung vorbei.
  • Unvollständiges Dossier: Fehlt das Testresultat, obwohl das Inserat es verlangt, wird die Bewerbung oft gar nicht angeschaut.
  • Falsche Dateinamen: Benenne Dateien klar, zum Beispiel «Lebenslauf_Lara_Meier.pdf».
  • Unseriöse E-Mail-Adresse: Für Bewerbungen lieber vorname.nachname@ als ein Spitzname.
  • Übertreiben: Schreib nur, was stimmt. Im Schnuppern merkt der Betrieb ohnehin, was du kannst.

FAQ

Wie lang soll der Bewerbungsbrief für eine Lehrstelle sein?

Eine A4-Seite reicht. berufsberatung.ch nennt keine feste Länge, aber alle elf Teile vom Absender bis zu den Beilagen passen gut auf eine Seite. Wichtiger als die Länge ist, dass der Brief zum Betrieb und zum Beruf passt.

Was kostet der Multicheck?

Der Multicheck kostet je nach Variante zwischen CHF 60 und CHF 100: CHF 60 für Attest-Lehren (EBA), CHF 85 für Detailhandel und Service, CHF 100 für die übrigen Berufsfelder. Der Basic-Check kostet CHF 100.

Wann beginnt die Lehrstellensuche?

In den meisten Kantonen zu Beginn der 9. Klasse, wenn der Lehrstellennachweis LENA für das nächste Jahr aufgeschaltet wird. Schnupperlehren machst du idealerweise schon in der 8. Klasse. Bis im Frühling ist der grösste Teil der Lehrstellen vergeben.

Wie viele Lehrstellen gibt es in der Schweiz?

Laut dem Nahtstellenbarometer des SBFI boten Schweizer Unternehmen 2026 rund 74 000 Lehrstellen an. 91 Prozent davon führen zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ), 8 Prozent zu einem eidgenössischen Berufsattest (EBA).

Muss ich ein Foto in die Bewerbung für die Lehrstelle legen?

In der Schweiz ist ein Foto im Lebenslauf üblich, aber keine Pflicht. Wenn du eines verwendest, dann ein aktuelles, freundliches Porträt vor neutralem Hintergrund, kein Ferienfoto.

Was mache ich, wenn ich bis im Frühling keine Lehrstelle habe?

Weitersuchen: Ende Mai 2026 waren auf LENA noch rund 14 000 Lehrstellen offen. Melde dich zudem bei der Berufsberatung deines Kantons. Sie kennt offene Stellen und Brückenangebote.

Und nach der Lehre?

Die Regeln aus diesem Artikel bleiben: für jede Stelle ein eigener Brief, ehrlich und konkret. Wenn du nach der Lehrabschlussprüfung deine erste Stelle suchst, wird es mehr Bewerbungen auf einmal. Dann hilft Bewerbomat: Das Werkzeug findet passende Stellen auf dem Schweizer Stellenmarkt und schreibt für jede ein eigenes Anschreiben aus deinem echten Profil, ohne erfundene Fähigkeiten. Du prüfst jeden Entwurf und verschickst ihn aus deinem eigenen Postfach. Die erste Bewerbung ist gratis.

Was es kostet, eine Bewerbung von einem Dienst schreiben zu lassen, steht im Artikel Bewerbung schreiben lassen in der Schweiz. Weitere Antworten findest du im Wissen von Bewerbomat.

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Quellen

  1. SBFI: Nahtstellenbarometer 2026, Medienmitteilung vom 11. Juni 2026 (2026)
  2. WBF: Lehrbeginn 2026, Schlussspurt bei der Lehrstellensuche (23. Juni 2026) (2026)
  3. berufsberatung.ch: Bewerbungsbrief schreiben (2026)
  4. berufsberatung.ch: Bewerbung erstellen und verschicken (2026)
  5. Kanton Zürich, Berufswahl-Portal: Lehrstellensuche (2026)
  6. Kanton Bern, BIZ: Schnuppern (2026)
  7. gateway.one: Multicheck Eignungsanalyse (2026)
  8. gateway.one: Basic Check (2026)

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung. Preise und Regeln können sich ändern; massgebend sind die Angaben der jeweiligen Anbieter und Behörden.

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